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ÉlysĂ©e-Vertrag
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Der von dem französischen StaatsprĂ€sidenten Charles de Gaulle initiierte ÉlysĂ©e-Vertrag (französisch TraitĂ© de l'ÉlysĂ©e),cite-ref-1[1]cite-ref-2[2] wie der deutsch-französische Freundschaftsvertrag von 1963 meist genannt wird, ist das erste große und zugleich grundlegende Abkommen zur deutsch-französischen Zusammenarbeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Der Vertrag sollte in Frankreich und der Bundesrepublik Deutschland geregelte Konsultationen zur Koordination und gemeinsamen Planung aller wichtigen Fragen der Außen-, Sicherheits-, Jugend- und Kulturpolitik sicherstellen.

Der Vertrag wurde mit einer gemeinsamen ErklĂ€rung am 22. Januar 1963 von Bundeskanzler Konrad Adenauer und PrĂ€sident Charles de Gaulle im Pariser ÉlysĂ©e-Palast unterzeichnet und trat am 2. Juli 1963 nach der Ratifizierung durch die Parlamente beider LĂ€nder in Kraft. Er war in Deutschland, den USA, Großbritannien und anderen LĂ€ndern umstritten und fĂŒhrte zu Unstimmigkeiten und Protesten.

Der Bundestag ratifizierte den Vertrag und die gemeinsame ErklĂ€rung in einem Gesetz und stellte diesem eine PrĂ€ambel voran. Die PrĂ€ambel bekrĂ€ftigte zur EnttĂ€uschung de Gaulles die engen Bindungen Deutschlands an die USA und NATO, das BemĂŒhen Deutschlands um eine Aufnahme Großbritanniens in die EWG und das Streben nach ĂŒbernationalen Regeln. De Gaulles Intention, der amerikafreundlichen Politik Großbritanniens eine deutsch-französische Allianz unter französischer FĂŒhrung entgegenzusetzen, war damit gescheitert. Die Kritiker des Vertrags betrachteten ihn daher als „Triumph des Atlantizismus“.cite-ref-3[3]cite-ref-4[4]

Das Abkommen brachte beide LĂ€nder nach langer „Erbfeindschaft“ und verlustreichen Kriegen einander nĂ€her, fĂŒhrte aber entgegen der verbreiteten Meinung zu keiner tiefgreifenden Kooperation in Fragen der Wirtschaft, Forschung, Verteidigungs- und Außenpolitik.cite-ref-5[5]

Juristisch gilt der Vertrag als inhaltsleer, er hat keine Verbindlichkeit und ist die Basis fĂŒr eine lediglich freiwillige Zusammenarbeit.cite-ref-6[6] Seine Bedeutung wird hauptsĂ€chlich in der politischen Symbolik von Versöhnung und Freundschaft gesehen, die besonders bei den JubilĂ€umsfeiern beschworen wird.

Wie alle völkerrechtlichen VertrÀge Deutschlands wird auch der Elysée-Vertrag im Politischen Archiv des AuswÀrtigen Amts unter der Archivsignatur: PA AA, BILAT FRA 115 a verwahrt.cite-ref-7[7]

Contents

‱ Ergebnisse
‱ Sprache
‱ Siehe auch
‱ Literatur
‱ Weblinks

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Bezeichnungen

Der offizielle Titel lautet:

‱ Vertrag zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Französischen Republik ĂŒber die deutsch-französische Zusammenarbeitcite-ref-8[8] oder auch
‱ Vertrag zwischen der Französischen Republik und der Bundesrepublik Deutschland ĂŒber die französisch-deutsche Zusammenarbeitcite-ref-9[9]

In der Regel werden diese kĂŒrzeren Bezeichnungen verwendet:

‱ Vertrag ĂŒber die deutsch-französische Zusammenarbeit (vgl. die abgebildeten Briefmarken)
‱ deutsch-französischer Freundschaftsvertrag
‱ ÉlysĂ©e-Vertrag (vgl. die abgebildete MĂŒnzecite-ref-10[10])
‱ Deutsch-Französischer Vertrag

Überblick ĂŒber den Inhalt des ÉlysĂ©e-Vertrags, 22. Januar 1963

Der Vertrag hat drei Teile: I. Organisation, II. Programm, III. Schlussbestimmungen.

‱ Teil I, zur Organisation, legt die verbindlichen Konsultationen auf höchster Ebene fest, zwischen PrĂ€sident und Kanzler wie der Minister und leitenden Ministerialbeamten;
‱ Teil II, zum Programm, enthĂ€lt

‱ in Abschnitt A die Koordination von Entscheidungen und Maßnahmen der AuswĂ€rtigen Angelegenheiten,

‱ in Fragen der EuropĂ€ischen Gemeinschaften und der europĂ€ischen politischen Zusammenarbeit
‱ in Fragen der Ost-West-Beziehungen sowohl im politischen als auch im wirtschaftlichen Bereich
‱ in Angelegenheiten der NATO, des Europarats, der WEU, der OECD und der UN
‱ in der Entwicklungshilfe
‱ verstĂ€rkt innerhalb der EWG hinsichtlich Wirtschaftspolitik, Energiepolitik, bei Verkehrs- und Transportfragen, in der industriellen Entwicklung und der Ausfuhrkreditpolitik.

‱ Abschnitt B betrifft die Koordination der Verteidigungspolitik

‱ Abschnitt B I legt folgende Ziele fest

‱ GrĂŒndung gemeinsamer Institute fĂŒr operative Forschung
‱ Personalaustausch mit entsprechendem Sprachunterricht
‱ gemeinsame RĂŒstungsvorhaben und ihre Finanzierung
‱ gemischte Kommissionen zu RĂŒstungsvorhaben

‱ Abschnitt B II betrifft das Vorhaben der Regierungen, die Voraussetzungen zu prĂŒfen, „unter denen eine deutsch-französische Zusammenarbeit auf dem Gebiet des zivilen Bevölkerungsschutzes hergestellt werden kann“.

‱ in Abschnitt C. die Koordination der Erziehungs- und Jugendfragen. Der Abschnitt bezieht sich auf die Memoranden vom 19. September und 8. November 1962. Als einzelne Ziele werden genannt:

‱ In Absatz a): Erhöhung der Zahl deutscher SchĂŒler, die Französisch lernen, und der französischen SchĂŒler, die Deutsch lernen, außerdem Sprachkurse an den UniversitĂ€ten
‱ in Absatz b): Gleichwertigkeit der Schulzeiten, der PrĂŒfungen, der Hochschultitel und -diplome
‱ in Absatz c) Zusammenarbeit auf dem Gebiet der wissenschaftlichen Forschung durch

‱ Forschungsstellen
‱ Gruppenaustausch
‱ ein Austausch- und Förderungswerk mit einem Gemeinschaftsfonds, der der Begegnung und dem Austausch von SchĂŒlern, Studenten, jungen Handwerkern und jungen Arbeitern zwischen beiden LĂ€ndern dient.

‱ in Teil III finden sich die Schlussbestimmungen.

Äußere Form des Dokuments

Die Ă€ußere Gestaltung des Dokuments ist ungewöhnlich und der Eile und dem Mangel an Vorbereitung geschuldet, mit der der Staatsvertrag beschlossen und fertiggestellt wurde. Die rote Umrandung entspricht französischen Dokumenten, in deutschen war sie blau. Die Siegel wurden speziell angefertigt, da die Dienstsiegel nicht verfĂŒgbar waren.cite-ref-11[11] Damit ist es Ausdruck der ĂŒberraschenden Entscheidung beider StaatsmĂ€nner, der Vereinbarung, die ursprĂŒnglich nur als Protokoll geplant war, den Charakter eines völkerrechtlichen Vertrags zu geben. Die deutsche Ausfertigung des Vertrags enthĂ€lt in der Urschrift 12 doppelseitig beschriebene BlĂ€tter mit den Maßen 23 × 35,5 cm, einen aufgedruckten roten Rand mit Goldschnitt. Die dreifach gelochten BlĂ€tter sind mit schwarz-rot-goldenem Farbband gebunden.cite-ref-12[12]

Inhalt der Gemeinsamen ErklÀrung, 22. Januar 1963

In der gemeinsamen ErklÀrung erklÀren sich Adenauer und de Gaulle mit der Organisation und den GrundsÀtzen der Zusammenarbeit zwischen den beiden Staaten einverstanden, wie sie in dem am selben Tage unterzeichneten Vertrag niedergelegt wurden.

Adenauer und de Gaulle versichern sich zum Abschluss der Konferenz vom 21. und 22. Januar 1963 in Paris ihrer Überzeugung, dass der Vertrag ein geschichtliches Ereignis darstellt, das der „Versöhnung zwischen dem deutschen und dem französischen Volk“ diene und eine „Jahrhunderte alte RivalitĂ€t“ beende. Das VerhĂ€ltnis der beiden Völker zueinander werde von Grund auf neu gestaltet.

Die Unterzeichneten betonen ihr gemeinsames Bewusstsein der Bedeutung der SolidaritĂ€t fĂŒr Sicherheit und wirtschaftliche wie kulturelle Entwicklung. Sie anerkennen die Bedeutung der Rolle der Jugend fĂŒr die Festigung der deutsch-französischen Freundschaft. Die verstĂ€rkte Zusammenarbeit wird als unerlĂ€sslicher Schritt auf dem Wege zu einem vereinigten Europa gesehen.cite-ref-13[13]

Gesetz zur Ratifizierung des Vertrags und der ErklÀrung, 15. Juni 1963

Der Bundestag gab der Ratifizierung von Vertrag und ErklĂ€rung Gesetzesform und stimmte diesem Gesetz zu. Zur KlĂ€rung des politischen VerstĂ€ndnisses stellte der Bundestag dem Vertrag im Gesetz eine PrĂ€ambel voran, in der sein politisches GrundverstĂ€ndnis geklĂ€rt wurde. Die deutsch-französische Zusammenarbeit wurde in den Rahmen des deutsch-amerikanischen und nordatlantischen BĂŒndnisses gestellt und in wirtschaftlicher Hinsicht auf eine durch Großbritannien erweiterte EWG und auf GATT bezogen.

Motive der Vertragschließenden

De Gaulle war vom Grundmotiv französischer Deutschlandpolitik getrieben, das er schon 1943 in einem Nachkriegsplan ausgearbeitet hatte: Es musste auf jeden Fall verhindert werden, dass sich die angelsĂ€chsische Welt mit Deutschland zulasten Frankreichs verbĂŒndete. Seine Einstellung wurde in dem Satz deutlich:

„Seit Jahrhunderten haben die EnglĂ€nder versucht, die AnnĂ€herung der Gallier und Germanen zu verhindern. Heute sind es die Amerikaner.“cite-ref-14[14]

Ein weiterer Grund war die Überzeugung de Gaulles, dass die USA Europa als Kriegsschauplatz auch in einer nuklearen Auseinandersetzung sich selbst ĂŒberlassen wĂŒrden. Die Zerstörung Europas habe fĂŒr sie nicht dieselbe Bedeutung wie eine SchĂ€digung der USA selbst.cite-ref-15[15] Sie wĂŒrden umgekehrt ihre europĂ€ischen VerbĂŒndeten unter UmstĂ€nden auch einer VerstĂ€ndigung mit Moskau opfern.cite-ref-16[16] Aus diesen GrĂŒnden vertrat er die Überzeugung, Europa mĂŒsse auf eine deutsch-französische SĂ€ule gestĂŒtzt werden, die ein Gegengewicht zur amerikanischen Macht im europĂ€ischen Westen darstellen sollte.

Dabei wollte er den Deutschen, die seiner Meinung nach komplexbehaftet waren, entgegenkommen, um sie bei der „Dekolonisierung“, der Abkopplung von den USA, zu unterstĂŒtzen.

In der Vereinbarung von Nassau vom 21. Dezember 1962 sah de Gaulle ein „trojanisches Pferd“ der USA.cite-ref-0-17-0[17]cite-ref-1-18-0[18]

Adenauer dagegen ging es in erster Linie um die deutsch-französische Aussöhnung und ihre „dauerhafte Verankerung“.

Beide StaatsmÀnner wollten mit diesem Vertrag auch eine AnnÀherung des anderen an die Sowjetunion eindÀmmen,cite-ref-19[19] dabei spielte die Erinnerung an die Französisch-Russische Allianz von 1894, die Entente von 1907 und an Rapallo 1922 eine Rolle.cite-ref-20[20]

Vorgeschichte

Die Absicht Frankreichs nach dem Zweiten Weltkrieg, sich international als Großmacht zu etablieren und Deutschland aus SicherheitsgrĂŒnden zu schwĂ€chen, also zu dezentralisieren, das Ruhrgebiet zu internationalisieren und das Rheinland abzutrennen, war nach der VerschĂ€rfung des Ost-West-Konfliktes im FrĂŒhjahr 1947 in einer bipolaren Weltordnung politisch nicht mehr durchsetzbar. Westdeutschland wurde von den USA ab 1948 als staatlich zu stĂ€rkende strategische Sicherheitszone gegen den Kommunismus betrachtet. Die Integration Deutschlands in ein europĂ€isches BĂŒndnis unter der FĂŒhrung Frankreichs erwies sich in dieser Situation fĂŒr Frankreich als Rettungsanker: Deutschland sollte angesichts der amerikanischen Hegemonialpolitik in einer engen Partnerschaft unter Kontrolle gehalten werden.cite-ref-woyke-21-0[21]

Am 2. Juli 1948 wurde das Deutsch-Französische Institut in Ludwigsburg gegrĂŒndet.cite-ref-22[22]

1949 wurde der Europarat gegrĂŒndet. 1950 konzipierte dieser eine EuropĂ€ische Verteidigungsgemeinschaft.

1950 schlossen die StÀdte Montbéliard und Ludwigsburg den ersten Vertrag einer StÀdtepartnerschaft.cite-ref-23[23]

Am 9. Mai 1950 wurde der Schuman-Plan vorgelegt. Der Plan fĂŒhrte am 18. April 1951 zur GrĂŒndung der EuropĂ€ischen Gemeinschaft fĂŒr Kohle und Stahl und erwies sich so als wichtige Grundlage fĂŒr den Prozess der europĂ€ischen Integration. Dem französischen Sicherheitsinteresse wurde dadurch Rechnung getragen, dass Deutschlands Grundlage der Schwerindustrie und damit der RĂŒstung unter internationale Kontrolle gestellt wurde. Die EGKS war die Garantie der „Sicherheit mit und vor Deutschland“.cite-ref-24[24]cite-ref-woyke-21-1[21]

Der 1950 vorgelegte Pleven-Plan sollte die zu erwartende Wiederbewaffnung Deutschlands in eine europÀische Verteidigungsarmee hinein kanalisieren, um so eigenstÀndige deutsche StreitkrÀfte zu verhindern.cite-ref-woyke-21-2[21]

1952 brachte die EGKS die Idee vor, eine EuropĂ€ische Politische Gemeinschaft fĂŒr außenpolitische und verteidigungspolitische Zwecke zu schaffen.

Am 30. August 1954 legte die französische Nationalversammlung ihr Veto gegen EPG und EVG ein, da das französische Selbstbewusstsein gewachsen war und man ein Übergewicht der Bundesrepublik in den supranationalen Institutionen vermeiden wollte.cite-ref-woyke-21-3[21]

Im Dezember 1954 stimmte Frankreich dem NATO-Beitritt Deutschlands zu.

Im deutsch-französischen Abkommen innerhalb der Pariser VertrĂ€ge vom 5. Mai 1955 wurde beschlossen, eine Volksabstimmung zur Lösung der Saarfrage durchzufĂŒhren. Im Vertrag von Luxemburg hatten die Regierungschefs Konrad Adenauer und Guy Mollet am 27. Oktober 1956 die RĂŒckkehr des Saargebietes nach Deutschland als zusĂ€tzliches Bundesland vereinbart, nachdem die SaarlĂ€nder ein Jahr zuvor eine „EuropĂ€isierung“ abgelehnt hatten. Als Gegenleistung wurde Frankreich die Kanalisierung der Mosel zugesagt, was Frankreich den Zugang zu den deutschen Industriegebieten und zum Nordatlantik ermöglichte. Damit war das grĂ¶ĂŸte Problem in den Beziehungen Frankreichs und Deutschlands gelöst.

Am 23. November 1954 wurde ein gemeinsames Kulturabkommen geschlossen.cite-ref-25[25]

Am 12. MĂ€rz 1956 trat das Abkommen von Colomb-BĂ©char ĂŒber die industrielle und technologische Zusammenarbeit in Nuklearfragen in Kraft.

1957 wurden die Römischen VertrĂ€ge abgeschlossen, mit denen die GrĂŒndung der EuropĂ€ischen Wirtschaftsgemeinschaft möglich wurde. Frankreich fĂŒhrte Ende 1958 eine WĂ€hrungsreform durch und bereitete sich damit fĂŒr den Aufbau eines Gemeinsamen Marktes vor.

Am 31. Januar 1958 wurde das Deutsch-Französische Forschungsinstitut fĂŒr Fragen der Sicherheit und Verteidigung in Saint-Louis gegrĂŒndet (ISL).cite-ref-26[26] Vom 14. bis zum 15. September 1958 besuchte Adenauer de Gaulle in Colombey-les-Deux-Églises.cite-ref-27[27]

Am 26. November 1958 begegneten sich beide StaatsfĂŒhrer in Bad Kreuznach.

1960 trafen Adenauer und de Gaulle in Rambouillet zusammen, um Formen einer engeren politischen Zusammenarbeit zu besprechen.

Am 2. November 1961 und am 18. Januar 1962 stellte de Gaulle die EntwĂŒrfe des Fouchetplans fĂŒr eine EPU Ă€hnlich der gescheiterten EPG von 1952 vor. De Gaulle plante die EWG-Kommission zu entmachten und durch den Ministerrat zu ersetzen. Damit wĂ€re das supranationale Integrationsprinzip aufgegeben worden, was der „certaine idĂ©e“ de Gaulles entsprach, ein Europa der VaterlĂ€nder zu schaffen.cite-ref-28[28] Wie vorauszusehen war, scheiterte auch der zweite Entwurf des Fouchetplans am Einspruch der Niederlande und Belgiens, die an der SupranationalitĂ€t festhielten. Aber auch nach dem Scheitern bekundete die deutsche Regierung bleibendes Interesse an einer engeren Zusammenarbeit. Als „Torso der Fouchet-PlĂ€ne“ kam es daher zu den Verhandlungen, die in den ÉlysĂ©e-Vertrag mĂŒndeten.

Am 8. Juli 1962 nahmen Adenauer und de Gaulle an einem Gottesdienst in der Kathedrale von Reims teil.

Am 9. September 1962 besuchte de Gaulle Deutschland. In Ludwigsburg hielt er seine vielbeachtete Rede an die deutsche Jugend:

Vor allem mĂŒssen wir aber ihr einen lebenden Inhalt zu geben, und das ist insbesondere die Aufgabe der Jugend. [
] Es sollte Ihnen und der französischen Jugend obliegen, alle Kreise, bei Ihnen und bei uns dazu zu bestreben, engere Bande zu knĂŒpfen, einander immer nĂ€her zu kommen und besser, sich besser kennenzulernen.

Diese Rede nahm Elemente des ElysĂ©e-Vertrags vorweg: eine gemeinsame Bildungs- und Jugendpolitik, die außen- und verteidigungspolitische Kooperation. De Gaulle betonte, dass die Jugendlichen selbst den institutionellen Rahmen mit Leben und Inhalt fĂŒllen mĂŒssten.cite-ref-29[29]

Am 18. September 1962 legte de Gaulle ein Memorandum vor.cite-ref-30[30] Am 8. November 1962 antwortete Deutschland mit grundsÀtzlicher Zustimmung mit Anmerkungen zu Einzelfragen.cite-ref-31[31]

Die Vereinbarung von Nassau vom 21. Dezember 1962 zwischen Großbritannien und der USA wurde von de Gaulle als Zeichen dafĂŒr gesehen, dass Großbritannien ein trojanisches Pferd der USA in Europa sei.cite-ref-0-17-1[17]cite-ref-1-18-1[18]

Am 14. Januar 1963 gab de Gaulle eine Pressekonferenz, in der er die Aufnahme Großbritanniens in die EWG ablehnte.cite-ref-32[32]

Vertragsabschluss

Bei den am 21. und 22. Januar 1963 in Paris stattfindenden deutsch-französischen Konsultationen war vorgesehen, am Ende ein gemeinsames Protokoll zu unterzeichnen, das eine Vereinbarung in Form einer einfachen schriftlichen Auflistung der Bereiche darstellen sollte, in denen die beiden LĂ€nder auch zukĂŒnftig, aber in institutionalisierter Form, zusammenarbeiten wollten;cite-ref-33[33] die Idee zum Abschluss eines parlamentarisch ratifizierten völkerrechtlichen Staatsvertrags brachte Adenauer schon in seiner Ansprache nach der Landung in Paris am 21. Januar 1963 vor, dann wieder wĂ€hrend der Pariser GesprĂ€che. Diese Idee wurde von de Gaulle begeistert erwidert.cite-ref-34[34] Am Abend des 22. Januar 1963 wurde der Vertrag im Saal Murat kurz vor 18 Uhr unterzeichnet.

Von der ursprĂŒnglichen Konzeption her verstanden, handelt es sich in erster Linie um ein Rahmendokument, das in vielen Punkten die bisherige Praxis von Konsultationen zusammenfasste und fixierte und durch spĂ€tere Vereinbarungen ausgestaltet wurde. Die gemeinsame ErklĂ€rung, die gleichzeitig unterzeichnet wurde, sollte dem Vertrag zusĂ€tzlich einen politischen Ton geben.

Auf französischer Seite war François Seydoux de Clausonne, auf deutscher Seite Adenauers außenpolitischer Berater Horst Osterheld wesentlich am Zustandekommen des Vertrages beteiligt.cite-ref-35[35]

Nach der Unterschrift wandte sich de Gaulle zu Adenauer:

„Übervoll ist mein Herz und dankbar mein GemĂŒt, nachdem ich soeben mit dem Kanzler den Vertrag unterschrieben habe. Niemand auf der Welt kann die ĂŒberragende Bedeutung dieses Aktes verkennen. Nicht nur wendet sich damit das Blatt nach einer langen und blutigen Geschichte der KĂ€mpfe und Kriege, sondern zugleich öffnet sich das Tor zu einer neuen Zukunft fĂŒr Deutschland, fĂŒr Frankreich, fĂŒr Europa und damit fĂŒr die Welt.“

Adenauer antwortete: „Herr General, Sie haben es so gut gesagt, dass ich dem nichts hinzufĂŒgen könnte.“ Darauf gab de Gaulle Adenauer den Bruderkuss, den Adenauer erwiderte.cite-ref-36[36]

Diskussion und Ratifizierung in Deutschland

Am 29. Januar 1963 wurden die BeitrittsgesprĂ€che mit Großbritannien abgebrochen. Dieser Schritt löste in Deutschland und weltweit Alarmreaktionen aus. Die Reaktion der deutschen Parteien auf die Englandpolitik Frankreichs und den Vertrag war schroff ablehnend, besonders in der SPD und der FDP, teilweise auch in der CDU selbst, da der bilaterale Vertrag die bisherigen SĂ€ulen der deutschen Außenpolitik in Frage zu stellen schien: die supranationale europĂ€ische Integration und die transatlantische Bindung. In der Union standen sich „Gaullisten“ (Adenauer, Strauß, Guttenberg, Brentano, Dufhues) und „Atlantiker“ (Ludwig Erhard, Gerhard Schröder) gegenĂŒber, die sich aber in ihrer Bindung an Amerika und in der SupranationalitĂ€t grundsĂ€tzlich einig waren. In ihrem Gegensatz spiegelte sich auch der Machtkampf Erhards und Adenauers wider. FĂŒr Adenauer war die Bindung an Frankreich auch eine weltanschauliche Entscheidung fĂŒr das katholische Abendland gegen die hedonistische Moderne, fĂŒr die der „freie Westen“ stand, so Corine Defrance und Ulrich Pfeilcite-ref-37[37] in Anlehnung an Ulrich Herbertcite-ref-38[38] und Axel Schildt. FĂŒr Adenauer sollte ĂŒber den Vertrag der amerikanische Partner auch zu grĂ¶ĂŸerer RĂŒcksicht auf deutsche und französische Interessen veranlasst werden.cite-ref-39[39]

Der Vertrag, der die USA, Großbritannien, die NATO und GATT (General Agreement on Tariffs and Trade; deutsch ‚Allgemeines Zoll- und Handelsabkommen‘) unerwĂ€hnt ließ,cite-ref-dw2013marek-40-0[40] schlug nach Tim Geiger wie eine Bombe ein und fĂŒhrte zu hysterischen Reaktionen, BefĂŒrchtungen und Bedrohungsszenarien. Besonders nachdem PrĂ€sident John F. Kennedy, der den Vertrag als „Dolchstoß in den RĂŒcken“ charakterisiert hatte,cite-ref-41[41] sein Unbehagen in dieser Angelegenheit gegenĂŒber dem deutschen Botschafter in Washington ausgedrĂŒckt hatte, ratifizierte der Bundestag den Vertrag einstimmig mit einer Deutschlands Position klĂ€renden PrĂ€ambel.cite-ref-spiegel2013-42-0[42]cite-ref-43[43]

PrÀambel des Bundestags

In dieser PrĂ€ambel des am 15. Juni 1963 vom Bundestag ratifizierten Gesetzes zur Zustimmung zur Gemeinsamen ErklĂ€rung (Artikel 1) und zum Vertrag vom 22. Januar 1963 (Artikel 2), drĂŒckt der Bundestag seine Überzeugung aus, dass der Vertrag die Aussöhnung und Freundschaft zwischen dem deutschen und dem französischen Volk vertiefe und ausgestalte. Dazu stellt der Bundestag fest, dass dadurch andere multilaterale VertrĂ€ge der Bundesrepublik nicht berĂŒhrt wĂŒrden, und die Ziele der Bundesrepublik „in Gemeinschaft mit den anderen ihr verbĂŒndeten Staaten“ gefördert werden sollten. Diese Ziele werden als Partnerschaft mit den USA konkretisiert, als Wiedervereinigung, Eingliederung in die NATO und als Aufnahme Großbritanniens in die EWG.cite-ref-44[44]

Die PrĂ€ambel enthielt demnach alle Punkte, die ausdrĂŒcklich gegen de Gaulles Absichten verstießen:

‱ die enge Verbindung zwischen Europa und den Vereinigten Staaten von Amerika,
‱ die Aufnahme Großbritanniens in die Wirtschaftsgemeinschaft,
‱ eine gemeinsame Verteidigung im Rahmen des Nordatlantischen BĂŒndnisses,
‱ den Abbau der Zollschranken mit Großbritannien und den Vereinigten Staaten von Amerika sowie anderen Staaten im Rahmen des GATT.

Eckart Conze kommentierte: „Washington hatte es verstanden, die Entstehung eines 'geschlossenen deutsch-französischen Systems' (Dean Rusk) zu verhindern und stattdessen dem ÉlysĂ©e-Vertrag die Funktion eines wichtigen Elements innerhalb der transatlantischen Beziehungen zu geben, die das Abkommen in französischen Augen wertlos machen musste.“cite-ref-45[45]

Reaktion de Gaulles auf die PrÀambel

Offiziell reagierte Frankreich zustimmend auf die PrĂ€ambel: „Frankreich hat der deutschen Regierung mitgeteilt, dass es keine EinwĂ€nde gegen die EinfĂŒgung einer PrĂ€ambel hat, die die Treue der BRD zu ihrem atlantischen und europĂ€ischen Engagement zum Inhalt hat.“ Intern jedoch betrachteten die französischen Gaullisten diesen Zusatz anders: Er entleerte den Vertrag nach ihrem VerstĂ€ndnis jeglicher Bedeutung und setzte den Hoffnungen ein Ende, die Wirtschaftsgemeinschaft zu einem Gegengewicht zu den USA und der UdSSR zu machen. De Gaulle Ă€ußerte privat am 24. April 1963: „Die Amerikaner versuchen, unseren Vertrag auszuhöhlen. Sie wollen ihn zu einer leeren HĂŒlle machen. Und warum das alles? Weil deutsche Politiker Angst haben, dass sie sich vor den Angelsachsen nicht genĂŒgend verbeugen! Sie benehmen sich wie die Schweine! Sie wĂŒrden es verdienen, dass wir den Vertrag kĂŒndigen und dass wir das BĂŒndnis umkehren und uns mit den Russen einigen!“cite-ref-46[46]cite-ref-47[47] "SpĂ€ter Ă€ußerte er:

"Sie unterwerfen sich völlig der Herrschaft der Angelsachsen. Sie verraten den Geist des Französisch-deutschen Abkommens. Und sie betrĂŒgen Europa. (
) Die Deutschen waren meine grĂ¶ĂŸte Hoffnung, sie sind nun meine grĂ¶ĂŸte EnttĂ€uschung.“

In den Worten Golo Manns wurde der Vertrag im selben Augenblick nullifiziert, da man ihn ratifizierte.cite-ref-48[48]cite-ref-49[49] 1963, kurz vor seinem ersten Besuch in Deutschland, Ă€ußert de Gaulle gegenĂŒber Parlamentariern: „Sehen Sie mal, VertrĂ€ge sind wie junge MĂ€dchen und Rosen: Sie halten so lange, wie sie halten. Wenn der deutsch-französische Vertrag nicht zur Anwendung kĂ€me, wĂ€re er nicht der erste in der Geschichte.“ Als de Gaulle ihn am 4. Juli 1963 besuchte, entgegnete Adenauer:

„Aber die Rose ist die ausdauerndste Pflanze, die wir ĂŒberhaupt haben. Sie hat hier und da Dornen, sicher, dann muss man sie mit Vorsicht anfassen. (
) Jawohl, diese Freundschaft zwischen Frankreich und Deutschland ist wie eine Rose, die immer wieder BlĂŒten bringt, die immer wieder Knospen treibt und wiederum BlĂŒten bringt und die alle WinterhĂ€rten glĂ€nzend ĂŒbersteht.“cite-ref-50[50]cite-ref-51[51]

Alfred Grosser schrieb dazu im Jahre 2000, die PrĂ€ambel mache deutlich, dass vor Vertragsabschluss wesentliche Differenzen nicht geklĂ€rt worden waren. Deutschland wollte Europa auch unter Einschluss Großbritanniens „supranationaler“ machen, obwohl auch Großbritannien seine absolute Opposition gegenĂŒber jeglicher SupranationalitĂ€t verkĂŒndet hatte. Die wahren GrĂŒnde fĂŒr die Ablehnung Großbritanniens lagen fĂŒr de Gaulle darin, dass es wie Frankreich selbst versuchen wĂŒrde, „Europa zur StĂ€rkung der eigenen Stellung in der Welt zu benutzen“ und die „stĂ€ndige Unterwerfung der Gemeinschaft unter den politischen Willen der USA“ mit sich bringen werde. Hier, so Grosser, habe sich de Gaulle jedoch geirrt: „Das ‚trojanische Pferd‘ Amerikas war in Gestalt der Bundesrepublik bereits vorhanden.“cite-ref-52[52] Allerdings gab es auch im französischen Parlament einzelne Abgeordnete, die versuchten, dem Vertrag von französischer Seite ebenfalls eine entsprechende PrĂ€ambel anzufĂŒgen.cite-ref-53[53]

Protestnote der Sowjetunion

Am 5. Februar, zwei Wochen nach der Unterzeichnung in Paris, ĂŒbermittelte die Sowjetunion der deutschen Regierung ĂŒber Radio Moskau eine Protestnote, da sie befĂŒrchtete, dass der Vertrag in Artikel II A und II B ein militĂ€risches BĂŒndnis zur Einkreisung des Warschauer Pakts und als Bedrohung der UnabhĂ€ngigkeit der DDR darstelle, ein VerstĂ€ndnis, das Adenauer unterstĂŒtzte, wenn er ganz im Gegensatz zu den Intentionen Frankreichs von einer „antisowjetischen Bastion“ sprach. Die Bundesregierung beantwortete die Protestnote am 29. MĂ€rz mit dem Hinweis auf die Friedlichkeit der Absichten. Die Sowjetunion protestierte erneut nach der Ratifizierung des Vertrags durch den Bundestag, wobei die Argumente der ersten Protestnote wiederholt wurden. Die deutschlandpolitische Komponente des Vertrags, die von der Sowjetunion angesprochen wurde, war dabei auch der deutschen Seite wohl bewusst:

„Hierzu möchte die Bundesregierung bemerken, dass sie, als sie den Vertrag der Freundschaft und der Versöhnung mit dem französischen Volk schloss, tatsĂ€chlich im Namen des ganzen deutschen Volkes gehandelt hat. Sie wĂ€re durchaus bereit gewesen, auch die Deutschen in der sogenannten DDR zu fragen, ob sie diese Aussöhnung wollten, und sie ist sich völlig sicher, dass auch die ĂŒberwĂ€ltigende Mehrheit der dort lebenden Deutschen dem Vertrag ihre dem Zustimmung gegeben hĂ€tte.“cite-ref-54[54]

Weitere Entwicklung

Am 5. Juli 1963 folgte das GrĂŒndungsabkommen fĂŒr das Deutsch-Französische Jugendwerk. In der Folgezeit entstanden zahlreiche StĂ€dtepartnerschaften sowie Partnerschaften zwischen Schulen und Vereine.

Am 10. Februar 1972 wurde das Abkommen ĂŒber die Einrichtung deutsch-französischer Gymnasien und die EinfĂŒhrung des deutsch-französischen Abiturs („AbiBac“) in Paris unterzeichnet.

Am 1. September 1964 begann die militÀrische Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Frankreich in Form gemeinsamer Manöver in Bitche an der saarlÀndischen Grenze, an der die 5. Panzergrenadierdivision aus Koblenz teilnahm.cite-ref-55[55]

Am 22. September 1984 gedachten François Mitterrand und Helmut Kohl mit dem Handschlag von Verdun gemeinsam in Verdun der gefallenen Soldaten beider Weltkriege.

Helmut Schmidt bedauerte im Jahr 1986 ausdrĂŒcklich die Entwertung des Vertrags durch die PrĂ€ambel, der er selbst zugestimmt hatte.cite-ref-56[56]

1988 setzten Bundeskanzler Helmut Kohl und der französische StaatsprĂ€sident François Mitterrand in ErgĂ€nzung des Vertrages RĂ€te fĂŒr die Abstimmung von Verteidigungsinteressen (Deutsch-französischer Verteidigungs- und Sicherheitsrat) und der Wirtschafts-, Finanz- und WĂ€hrungspolitik ein.

Am 2. Oktober 1989 wurde die deutsch-französische Brigade gegrĂŒndet.

Vom 17. – 18. September 1990 fand ein deutsch-französisches Gipfeltreffen in MĂŒnchen statt. Dabei wurde der Abzug der in Deutschland stationierten französischen Truppen angekĂŒndigt.

Am 15. MĂ€rz 1991 trat der 2+4-Vertrag in Kraft. Mit ihm endeten der ViermĂ€chtestatus Berlins und die Verantwortung der Alliierten fĂŒr Deutschland formell.

Am 29. August 1991 tagten erstmals die deutschen, französischen und polnischen Außenminister in Weimar.

Am 7. Februar 1992 erfolgte die Unterzeichnung des Maastricht-Vertrags.

Am 30. Mai 1992 nahm der Fernsehsender Arte, eine deutsch-französische Kooperation, den Sendebetrieb auf.

Seit 2001 finden infolge des „Blaesheim-Abkommens“ die Treffen zwischen beiden Regierungschefs auf 6- bis 8-wöchentlicher Basis statt.

Am 22. Januar 2003, zur 40-Jahr-Feier der Unterzeichnung des ÉlysĂ©e-Vertrags, fand das erste Treffen des Deutsch-Französischen Ministerrates statt. Es gab eine gemeinsame Sitzung der AssemblĂ©e nationale und des Deutschen Bundestags in Versailles und ein Beauftragter fĂŒr die deutsch-französische Zusammenarbeit in beiden LĂ€ndern wurde erstmals ernannt. 2003 wurde von Deutschland und Frankreich auch der gemeinsam finanzierte Deutsch-Französische Fonds fĂŒr Kulturprogramme in DrittlĂ€ndern, der so genannte ÉlysĂ©e-Fonds, geschaffen. Dieser Fonds fördert jĂ€hrlich deutsch-französische Kulturprojekte mit maximal 25.000 Euro. 2011 standen ihm 460.000 Euro zur VerfĂŒgung. Im Rahmen der Feierlichkeiten kam es dann zu einer Gemeinsamen ErklĂ€rung des französischen PrĂ€sidenten und des deutschen Bundeskanzlers, die aber nur als AbsichtserklĂ€rung zu verstehen ist und als Ziele u. a. die Ermöglichung einer doppelten StaatsbĂŒrgerschaft fĂŒr Deutsche und Franzosen, die dies wĂŒnschen, sowie die Harmonisierung des Familien- und Zivilrechtes enthĂ€lt.cite-ref-57[57] Aufgrund der Gemeinsamen ErklĂ€rung wurde der 22. Januar als Deutsch-Französischer Tag eingerichtet.cite-ref-58[58]

Um den 50. Jahrestag der Unterzeichnung des ÉlysĂ©e-Vertrags zu feiern, riefen Frankreich und Deutschland ein Deutsch-Französisches Jahr aus. In dessen Rahmen fanden von September 2012 bis Juli 2013 zahlreiche Veranstaltungen auf offizieller und zivilgesellschaftlicher Ebene statt.

Am 50. Jahrestag der Vertragsunterzeichnung, also am 22. Januar 2013, kamen die französische Regierung, der StaatsprĂ€sident (François Hollande) und der Senat zu Feierlichkeiten nach Berlin. Auch die Abgeordneten beider Parlamente (Deutscher Bundestag und Nationalversammlung) erinnerten gemeinsam an das historische Ereignis; alle 577 Abgeordneten der Nationalversammlung waren nach Berlin eingeladen.cite-ref-spiegel2013-42-1[42] Am 31. Januar 2013 veranstaltete der Stab des Eurokorps in Straßburg einen Festakt aus Anlass des 50. Jahrestages des ÉlysĂ©e-Vertrags und am 14. Juli, dem Nationalfeiertag Frankreichs nahm die Luftwaffe erstmals am „Flypass“ ĂŒber Paris teil.

Folgevertrag: Vertrag von Aachen

56 Jahre nach Unterzeichnung des ÉlysĂ©e-Vertrages wurde durch Bundeskanzlerin Angela Merkel und StaatsprĂ€sident Emmanuel Macron am 22. Januar 2019 im Krönungssaal des Aachener Rathauses ein neuer deutsch-französischer Freundschaftsvertrag unterschrieben, der den ElysĂ©e-Vertrag fortschrieb und ergĂ€nzte.

Das als „Vertrag von Aachen“ bezeichnete Dokument vereinbart vor allem eine stĂ€rkere Zusammenarbeit in der Europapolitik und in der Außen- und Sicherheitspolitik.cite-ref-59[59]

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Hauptartikel

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Vertrag von Aachen

Ergebnisse

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Hauptartikel

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Deutsch-französische Beziehungen

Der Journalist Francois Bonnet bezeichnete 2022 den Traum der deutsch-französischen Freundschaft als geplatzt: Die StĂ€dtepartnerschaften seien „archĂ€ologische Überbleibsel“, ein Befund, dem die Untersuchung der Bertelsmann Stiftung von 2018 widerspricht.cite-ref-60[60] Der Austausch von Studenten bleibe lĂ€cherlich gering: 6.800 deutsche Studenten in Frankreich und 5.700 Franzosen in Deutschland. Die Übersetzungen deutscher BĂŒcher ins Französische stagnierten seit ungefĂ€hr 20 Jahren: Sie machen ungefĂ€hr sechs Prozent aller Übersetzungen aus. So wurden 2011 nur noch 669 Veröffentlichungen aus dem Deutschen ĂŒbersetzt, gegenĂŒber 898 aus dem Japanischen und 6130 aus dem Englischen. Als letztes Indiz nannte er, dass seit 2000 die Zahl der französischen Grenzarbeiter, die im Elsass leben und in Deutschland arbeiten, um 20 Prozent abgenommen hĂ€tte.cite-ref-61[61]

Sprache

Der Fremdsprachenunterricht wird als ein „neuralgischer Punkt“ der Zusammenarbeit betrachtet.cite-ref-62[62]

Der ÉlysĂ©e-Vertrag legte fest, dass die deutsch-französische Versöhnung durch den Spracherwerb vertieft werden solle. Der Aachener Vertrag legte fest, dass beide LĂ€nder die Zahl Lerner der Partnersprache erhöhen wollten. Die Strategien wurden im November 2022 vom französischen Bildungsminister Pap Ndiaye und vom KulturbevollmĂ€chtigten Hendrik WĂŒst vorgestellt.

2022 beschrieben französische Abgeordnete die Situation des Deutschunterrichts als dramatisch, mit negativen Folgen auch fĂŒr die emotionale Europa-Zugehörigkeit.cite-ref-63[63] Auch auf der deutschen Seite geht die Zahl der Französischlernenden zurĂŒck, lediglich noch 15 % der SchĂŒler beider LĂ€nder lernen die Sprache des Partnerlandes,cite-ref-64[64] im Vergleich zu 36 Prozent Deutschlernern in den 1970er Jahren. Noch im Jahr 2000 lag der Anteil bei 18 Prozent, 1953 bei 53 Prozent.cite-ref-65[65]

Siehe auch
Literatur

‱ Ansbert Baumann: Begegnung der Völker? Der ÉlysĂ©e-Vertrag und die Bundesrepublik Deutschland. Deutsch-französische Kulturpolitik von 1963 bis 1969 (= Moderne Geschichte und Politik 18). Peter Lang, Frankfurt 2003, ISBN 3-631-50539-6 (zugleich: Diss., UniversitĂ€t TĂŒbingen, 2001).
‱ Ansbert Baumann: Die organisierte Zusammenarbeit. Die deutsch-französischen Beziehungen am Vorabend des ÉlysĂ©e-Vertrags (1958–1962). DFI compact, 1 ISSN 1619-8441. Deutsch-Französisches Institut, Ludwigsburg 2002.
‱ Nicole Colin, Corine Defrance, Ulrich Pfeil, Joachim Umlauf (Hrsg.): Lexikon der deutsch-französischen Kulturbeziehungen nach 1945, TĂŒbingen 2013, ISBN 978-3-8233-6693-5.
‱ Corine Defrance, Ulrich Pfeil (Hrsg.): Der ÉlysĂ©e-Vertrag und die deutsch-französischen Beziehungen 1945–1963–2003 (= Pariser historische Studien 71). Oldenbourg, MĂŒnchen 2005, ISBN 3-486-57678-X, Online perspectivia.net.
‱ Corine Defrance, Ulrich Pfeil: Deutsch-Französische Geschichte. Band 10: Eine Nachkriegsgeschichte in Europa: 1945 bis 1963. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2011, ISBN 978-3-534-14708-3.
‱ Corine Defrance, Ulrich Pfeil (Hrsg.): La France, l’Allemagne et le traitĂ© de l’ÉlysĂ©e, 1963–2013, Paris 2012, ISBN 978-2-271-07488-1.
‱ Corine Defrance, Ulrich Pfeil: 50 Jahre Deutsch-Französisches Jugendwerk / L’Office franco-allemand pour la jeunesse a 50 ans, hrsg. vom DFJW, Berlin, Paris 2013, ISBN 978-2-36924-000-6.
‱ Dokumente-Documents. Zeitschrift fĂŒr den deutsch-französischen Dialog – Revue du dialogue franco-allemand. Schwerpunkthefte: 50 Jahre ÉlysĂ©e-Vertrag. Bilingual (Hauptartikel in einer der beiden Sprachen, ein ResĂŒmĂ©e in der je anderen). Hrsg. Gesellschaft fĂŒr ĂŒbernationale Zusammenarbeit GÜZ. Verlag Dokumente, Bonn 2012, H. 2 bis 4 ISSN 0012-5172
‱ Ulrich LappenkĂŒper: Deutsch-französische Wechselwirkungen. Entente Ă©lĂ©mentaire. Die Geschichte des deutsch-französischen Freundschaftsvertrags vom 22. Januar 1963. Vortrag anlĂ€sslich des 40. Jahrestages der Unterzeichnung des E.V. am 22. Januar 2003. DVA-Stiftung, Stuttgart 2003 (nicht im Handel).
‱ Ulrich LappenkĂŒper: Die deutsch-französischen Beziehungen 1949–1963. Von der „Erbfeindschaft“ zur „Entente Ă©lĂ©mentaire“ (= Quellen und Darstellungen zur Zeitgeschichte 49). 2 BĂ€nde. Oldenbourg, MĂŒnchen 2001, ISBN 3-486-56522-2 (Zugleich: Bonn, Univ., Habil.-Schr., 1998).
‱ Ulrich Pfeil: Die DDR und der ÉlysĂ©e-Vertrag vom 22. Januar 1963, in: Heiner Timmermann (Hrsg.): Die DDR in Deutschland. Ein RĂŒckblick auf 50 Jahre (= Dokumente und Schriften der EuropĂ€ischen Akademie Otzenhausen 93), Duncker & Humblot, Berlin 2001, ISBN 3-428-10418-8, S. 91–106.
‱ Ulrich Pfeil: Die „anderen“ deutsch-französischen Beziehungen. Die DDR und Frankreich 1949–1990 (= Zeithistorische Studien des Zentrums fĂŒr Zeithistorische Forschung Potsdam. Bd. 26), Böhlau, Köln u. a. 2004, ISBN 3-412-04403-2.
‱ Gilbert Ziebura: Die deutsch-französischen Beziehungen seit 1945. Mythen und RealitĂ€ten. Überarbeitete und aktualisierte Neuausgabe. Neske, Stuttgart 1997, ISBN 3-7885-0511-7.

Weblinks

Commons

: ÉlysĂ©e-Vertrag

– Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Wikisource: ÉlysĂ©e-Vertrag

– Quellen und Volltexte

‱ Historische Radioreportage von der Vertrags-Unterzeichnung 1963, SWR
‱ Almut Finck: 22. Januar 1963 – Deutsch-französischer Freundschaftsvertrag WDR ZeitZeichen vom 22. Januar 2013. (Podcast)

Videos zu den JubilÀen

‱ 40 Jahre: Pressekonferenz mit Gerhard Schröder und Jacques Chirac mit englischer SimultanĂŒbersetzung, Video bei C-SPAN (29:22 Min.)
‱ 50 Jahre: Eine Freundschaft macht Schule (2:41 Min.), Unterwegs mit dem Chef des Protokolls (5:50 Min.)
‱ 55 Jahre: ErklĂ€rung von Kanzlerin Angela Merkel und PrĂ€sident Emmanuel Macron (2:20 Min.)

Einzelnachweise

cite-note-11. ↑ Wortlaut des Vertrags (Memento des Originals vom 15. April 2019 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprĂŒft. Bitte prĂŒfe Original- und Archivlink gemĂ€ĂŸ Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.konrad-adenauer.de konrad-adenauer.de (ohne die vorgeschaltete Gemeinsame ErklĂ€rung)
cite-note-22. ↑ Faksimile Vertrag zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Französischen Republik ĂŒber die deutsch-französische Zusammenarbeit (sog. ÉlysĂ©e-Vertrag) vom 22. Januar 1963 / Bayerische Staatsbibliothek (BSB, MĂŒnchen). Abgerufen am 4. Februar 2023.
cite-note-33. ↑ Tim Geiger: Atlantiker gegen Gaullisten: Außenpolitischer Konflikt und innerparteilicher Machtkampf in der CDU/CSU 1958–1969. Walter de Gruyter, 2012, ISBN 978-3-486-71381-7 (eingeschrĂ€nkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
cite-note-44. ↑ Franz Eibl: Politik der Bewegung: Gerhard Schröder als Außenminister 1961–1966. Oldenbourg Verlag, 2009, ISBN 978-3-486-59616-8 (eingeschrĂ€nkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
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cite-note-99. ↑ Beispiel: Webseite der Konrad-Adenauer-Stiftung (Memento des Originals vom 15. April 2019 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprĂŒft. Bitte prĂŒfe Original- und Archivlink gemĂ€ĂŸ Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.konrad-adenauer.de
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cite-note-5252. ↑ Alfred Grosser: Deutschland in Europa. Reinbek bei Hamburg ,2000, S. 121–124 (rororo 1690).
cite-note-5353. ↑ Ansbert Baumann, „Ils ont, eux, la possibilitĂ© de s’exprimer“. Die spanischen Parlamentarier der AssemblĂ©e nationale beneideten 1963 ihre Kollegen im Deutschen Bundestag, in: Lendemains – Études comparĂ©es sur la France – Vergleichende Frankreichforschung 113 (2004), S. 66–85.
cite-note-5454. ↑ Corine Defrance, Ulrich Pfeil: Der ÉlysĂ©e-Vertrag und die deutsch-französischen Beziehungen 1945–1963 – 2003. Walter de Gruyter GmbH & Co KG, 2016, ISBN 978-3-486-83678-3 (com.ph [abgerufen am 26. Januar 2023]).
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